Meinolfusprozession

Im Jahre 799 wurde der Sage nach der heilige Meinolf unter einer Linde von seiner Mutter Wichtrud, die auf der Flucht vor den Sachsen war, geboren. Meinolf wurde von Bischof Badurad getauft, und Karl der Große war sein Taufpate. Als Archidiakon des Bistums Paderborn leitete Meinolf später die Gesandtschaft, welche die Gebeine des heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn überführte. Im Jahre 837 gründete Meinolf auf seinen Besitzungen ein Kanonissenstift. Schon bald nach dem Tode Meinolfs wurde er als erster Heiliger unserer Gegend verehrt...

 

Schon früh wurde an der Stelle, wo der heilige Meinolf der Sage nach geboren worden war, eine erste kleine Kapelle mit einer angebauten Klause errichtet. Im Jahre 1857 ließ der damalige Besitzer vom Gut Böddeken, Georg von Mallinckrodt, die heutige Kapelle bauen. In der Pfarrchronik lesen wir: "Das 1803 eingezogene Klostergut Böddeken wurde vom Staate an die Familie von Hartmann verkauft. Von dieser ging es an die Familie von Mallinckrodt über. Georg von Mallinckrodt, der eine geborene von Hartmann zur Gemahlin hatte, wurde Besitzer. Er renovierte sämtliche Gebäude. Dann aber dachte er auch daran, die zerfallene Kapelle bei der St. Meinolphus-Linde zu erneuern. Er baute 1857 die herrliche Kapelle im gotischen Stil und ließ sie durch Maler Laudage aus Büren mit herrlichen Gemälden schmücken. Den Plan zur Kapelle machte der berühmte Baumeister Statz. Eine Statue des hl. Meinolphus fertigte der Bildhauer Zumbusch an."

Am 23. August 1857 erhielt die neuerbaute Kapelle ihre Weihe.

In den ersten Jahrzehnten lebte und betete in der an die Kapelle angebauten Klause ein Klausner. Der letzte Klausner, Bruder Casparus Altenbernd, starb im Jahre 1873 und wurde auf dem Familienfriedhof der Familie von Mallinckrodt bestattet.

Seit 1857 feiert die Wewelsburger Pfarrgemeinde am Sonntag nach dem 23. August, dem Weihetag der Kapelle, ihre "Kapellenkirmes". Von der Wewelsburger Pfarrkirche führt eine Prozession - heute begleitet von der Wewelsburger Musikkapelle - nach Böddeken. Vor der Meinolfuskapelle wird ein Festhochamt gefeiert, seit dem Konzil meist in Konzelebration mit allen teilnehmenden Priestern. Die Predigt hält jeweils ein auswärtiger Priester. Traditionell kamen früher zur "Kapellen-Kirmes" die Verwandten zu Besuch, denn dieses Meinolfusfest hatte für die Wewelsburger einen hohen Stellenwert.

Außer den Wewelsburgern kamen auch stets viele Gläubige aus den Orten der Nachbarschaft zu Fuß oder auch mit dem Kutschwagen, ab den 50er Jahren mit dem Trecker und später mit dem Auto zur Kapelle ins Böddeker Tal. Heute sind die Besuche von Verwandten zu diesem Patronatsfest seltener geworden. Dafür hat sich aber in den letzten Jahrzehnten nach dem Gottesdienst auf der angrenzenden Wiese der "Meinolfus-Plausch" entwickelt. Hier treffen sich die Festteilnehmer bei Würstchen und Getränken und seit einigen Jahren auch bei Kaffee und Kuchen zum Gespräch. Oft verabschieden sich die Teilnehmer mit dem Wunsch: Dann bis zum nächsten Jahr! Schon in früheren Jahren wurden im Mai vor der Meinolfuskapelle Maiandachten gehalten. Seit einigen Jahren sind sie wieder fester Brauch an den Maisonntagen geworden. Diese Andachten sind auch heute noch verhältnismäßig gut besucht. Mancher Teilnehmer verbindet eine Wanderung oder Radtour mit der Teilnahme an der Andacht.

Für die Instandhaltung und umsichtige Pflege der Meinolfuskapelle sei den Besitzern, der Familie von Mallinckrodt, Dank gesagt. Möge auch in den kommenden Jahrzehnten das Meinolfusfest seinen Stellenwert behalten und die nachfolgenden Generationen sich hier als Gläubige zu Gesang und Gebet zusammenfinden.