Katholische Pfarrkirche Sankt Jodokus Wewelsburg

Im  8. Jahrhundert kam das Christentum durch die Franken in unsere Heimat.
Bereits um 780 wird auf dem Kerkberg oberhalb des Soldatenfriedhofes eine erste Kirche gebaut. Wir finden hier heute noch deutliche Mauerreste.
Diese Sankt Martinskirche war die erste Pfarrkirche für die Bauernschaften und Weiler unserer Gegend und blieb dies für rund 350 Jahre.
 
Bereits 837 war vom hl. Meinolfus auf seinem Besitz das Kloster Böddeken als adliges Damenstift gegründet worden. Die erste Kirche dieses Klosters, wohl eine Holz- oder Fachwerkkirche, war nur Stiftskirche für das Kloster und nicht Pfarrkirche für die Bewohner der umliegenden Bauernschaften und Weiler.
1140 wurde beim Kloster Böddeken eine neue romanische Kirche erbaut. Diese wurde dann Pfarrkirche für Wewelsburg und die Bewohner der kleinen Weiler der Umgebung und blieb dies für rund 450 Jahre. Hier wurden die Kinder getauft, Ehen geschlossen und die Toten auf der Nordseite der Kirche begraben. Im Wewelsburger Pfarrwinkel der Klosterkirche war der Platz für die Gläubigen unserer Gemeinde.

1599  wird die Burgkapelle, bisher nur Gotteshaus der Burgbewohner und der Bediensteten, von Fürstbischof Theodor für die Wewelsburger umgebaut und erweitert. Im Wappenstein über der Eingangstür im Turm der Kirche ist diese Jahreszahl eingemeißelt. Diese dritte Kirche der Wewelsburger war eine zweischiffige Hallenkirche. Das Gewölbe ruhte auf drei Pfeilern in der Mitte und war wohl aus hiesigem Naturstein. Diese Kirche hatte noch keinen Chorraum und keinen Turm und sie war wohl sehr viel niedriger als unsere heutige Kirche. Von den Seitenschiffen gab es auf der linken Seite nur ein Feld, diese Kirche hatte einen Dachreiter. Wohl um 1660 wurde auf der rechten Seite ein Feld des Seitenschiffes angebaut. Es diente als Sakristei und war nur von der Kirche her zugänglich.
 
Auch nach 1599 blieb die Pfarrkirche in Böddeker Hand. Über 200  Jahre war ein Pater aus dem Böddeker Kloster Pfarrer in Wewelsburg. Wir kennen 15 Patres mit Namen, der letzte Pater als Pfarrer in Wewelsburg war Paulus Meschede, er blieb bis zu seinem Tod 1807 in diesem Amt, auch nach der Auflösung des Klosters 1803.
 
Hl. Jodokus Kirche Hl. Jodokus Kirche
Hl. Jodokus Kirche Hl. Jodokus Kirche
Im 19. Jahrhundert wurde von den Wewelsburger Pfarrern über die zu kleine und baufällige Kirche geklagt. Erst 1884 konnte nach vielen Bemühungen mit dem Kirchenum- und Erweiterungsbau begonnen werden. Die Außenwände blieben zum Teil stehen. Das Gewölbe wurde eingeschlagen und die in der Mitte stehenden Pfeiler entfernt. Der Bauschutt blieb in der Kirche liegen und hob den Kirchenboden um ca. 75 cm an. Die Außenwände wurden um etwa 3,5 m auf gemauert, jetzt wurde das Gewölbe in Backstein erstellt und von Wand zu Wand gespannt. Nach Osten wurde nach Abbruch der Außenwand unser heutiges Chor angebaut und nach Westen wurde der Kirchturm errichtet. Im rechten Seitenschiff, wo der Marienaltar steht wurde ein zweites Feld angebaut.
 
Nach 1884 hat es an unserer Kirche nur noch 2 kleine Anbauten gegeben. Im Jahr 1933 wurde im linken Seitenschiff das zweite Feld angebaut und die heutige Sakristei mit dem darunter liegenden Heizungskeller errichtet. 1981 wurden gegenüber der Sakristei, links vom Chor eine Beichtkapelle und eine von außen zugängliche Toilette angebaut.
 
Die letzte Innenrenovierung der Kirche hatten wir im Jahr 2005. Unsere Pfarrkirche St. Jodokus zeigt heute eine überwiegend neugotische Ausstattung.
Nach der baulichen Geschichte möchten wir nun auf die besonderen Heiligen und Seligen die in unserer Kirche eine Bedeutung haben eingehen:
 
Zum einen haben wir den hl. Jodokus. Er ist der Schutzpatron unserer Pfarrkirche. Jodokus hat im 7. Jahrhundert im heutigen Frankreich gelebt und war der Sohn eines bretonischen Fürsten. Er hat auf sein fürstliches Erbe verzichtet und wurde Priester. An verschiedenen Orten hat er als Einsiedler gelebt. Er ist der Patron der Pilger und u.a. auch der Patron für Gedeihen der Feldfrüchte und eine gute Ernte. Das Patronatsfest feiern wir am 13. Dezember.
Hl. Jodokus
Hl. Jodokus
 
Zweimal ist in der Kirche auch der Hl. Meinolfus zu sehen. Er stammte aus dem westfälischen Adel. Seine Mutter Wichtrud soll ihn im Jahr 795 auf der Flucht vor den Franken in Böddeken unter einer Linde geboren haben. Mit vier Jahren brachte sie ihn an den Hof Karls des Großen. Dieser ließ ihn taufen und wurde sein Pate. Unter Bischof Badurad besuchte er die Domschule zu Paderborn.
836 wurde Meinolfus Archidiakon in Paderborn und gründete bald darauf das Kloster Böddeken. An seinem Geburtsort im Friedenstal von Böddeken steht heute eine Kapelle. Dorthin führt jedes Jahr am letzten Sonntag im August von Wewelsburg eine Prozession, die mit einem feierlichen Hochamt abschließt.
Hl. Meinolfus
Hl. Meinolfus
 
Nun möchten wir auf 2 Bilder von Ordensstifterinnen hinweisen, die in den letzten Jahrzehnten seliggesprochen wurden.
 
Im linken Seitenschiff finden wir ein Bild der Seligen Regina Prothmann, sie lebte von 1552 – 1613 und sie ist die Gründerin der Katharinenschwestern. Am 13 . Juli 1999 war in Warschau die Seligsprechung. Seit fast 70 Jahren leben und arbeiten Schwestern dieses Ordens in unserer Pfarrgemeinde, dafür ist die Gemeinde sehr dankbar.
 
Regina Prothmann
Selige Regina Prothmann
 
Im rechten Seitenschiff ist ein Bild der Seligen Pauline von Mallinckrodt angebracht. Mutter Pauline lebte von 1817 – 1881, sie ist die Gründerin des Ordens der “ Schwestern der christlichen Liebe“. Im Jahre 1985 war die Seligsprechung von Mutter Pauline in Rom. Von 1839 – 1842 lebte die Selige auf Böddeken und sie besuchte in dieser Zeit regelmäßig unsere Kirche.
Pauline von Mallinckrodt
Selige Pauline von Mallinckrodt