zur Situation: Glauben lebt von Vorbildern, die überzeugen, anstecken, begeistern.

Die Situation der Kirche in Westeuropa und in Deutschland ist scheinbar nicht gut zu nennen. Scheinbar! Missbrauch, Finanzgebaren, Corona-Pandemie, gesellschaftliche Umbrüche und dadurch bedingte Kirchenaustritte sowie nachlassender Gottesdienstbesuch sprechen für sich.

Scheinbar! Denn gemessen wird die jetzige Situation der Kirche an den Zahlen der 50er und 60er Jahre und ihrem gesellschaftlichen Status in vergangenen Jahrzehnten. Wie es wirklich ist, ist schwer zu beurteilen. Wie stark sind die Menschen unserer Tage im Glauben verwurzelt? Vielleicht viel intensiver als früher! Waren die Menschen nach dem Krieg wirklich gläubiger und wenn ja, warum trägt das bis heute keine Früchte? Wenn alle über 70jährigen heute zu den Gottesdiensten kämen, wären die Kirchen brechend voll. Dass dies nicht so ist, zeigt, das Glauben nicht gemacht werden kann.

Glauben lebt von Vorbildern, die überzeugen, anstecken, begeistern. Diese gibt es auch heute ganz konkret in unseren Gemeinden des Pastoralverbundes! Viele bringen sich bewusst in das Gemeindeleben ein, damit die Frohe Botschaft Jesu die Menschen
hier vor Ort froh und lebenstüchtig macht.

Dabei hat jede Zeit ihre Herausforderungen. Die oben beschriebenen Realitäten erfordern es, heraus zu gehen aus festen Gewohnheiten und Abläufen. Weniger Priester bedeuten weniger Messfeiern, dafür aber andere Gottesdienstformen, die das Leben und den Glauben stärken. Die Vielzahl der Messfeiern der Vergangenheit – manchmal jeden Tag in jedem Ort und möglichst zwei am Sonntag – haben nicht zur Stärkung des Glaubens und des Gottesdienstbesuches beigetragen. Deshalb haben wir zusätzlich zu den schon bestehenden Gottesdienstformen (Gottesdienste für Trauernde, Friedensgebete, Andachten, …) neue Angebote entwickelt wie Klang.Botschaften, Licht-Blick-Kirche, Botschaften per Email und WhatsApp, Fatima-Gebetszentrum. In manchen Gemeinden erklären sich Gläubige bereit, Wortgottesdienste zu gestalten. Sie verdienen nicht nur unsere Unterstützung, sondern unsere Anerkennung und unser Mitwirken.

Ab September bieten wir einen Ausbildungskurs zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern an. Es wäre schön, wenn sich aus unseren Gemeinden Personen melden, die dabei mitmachen möchten. Eine lebendige Gemeinde lässt sich nicht versorgen, sondern zeichnet sich aus durch mitsorgende Menschen, die mit Ideen und Engagement ihre Talente und Begabungen einbringen und so dem Glauben ein Gesicht geben.

Am 6. und 7. November werden in NRW die Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände neu gewählt. Da kommt es darauf an, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, die sich in den Dienst an Jesus Christus und den Menschen stellen. Wenn jede und jeder eine Stunde pro Woche von seiner Zeit ins Gemeindeleben einbringt, können wir mit viel Freude das Leben und den Glauben gestalten.

Als Pastoralteam sind wir gerne bereit die verschiedenen Ansätze und Aufbrüche zu unterstützen, damit der Glaube sichtbar spürbar wird. Herzlich danken wir dabei auch unseren Subsidiaren (pensionierten Priestern) für ihre Unterstützung. Ein ganz besonderer Dank gilt allen, die sich schon jetzt in verschiedenen Bereichen engagieren.

Ein Kennzeichen darf uns bei allem nicht verlorengehen: die Freude an Gott und an der Gemeinschaft! Die Freude ist eine Frucht des Heiligen Geistes, um den wir am Pfingstfest besonders bitten, denn ohne ihn sind wir nichts!

Mit Freude und Dankbarkeit
Ihr Pfarrer Peter Gede