„Als Landwirt gehört Gottvertrauen mit dazu“



Auf einer ehemaligen Klosteranlage führt Benedikt von Mallinckrodt den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie, das Gut Böddeken. Die Arbeit als Landwirt geht dabei mit der Bewahrung der Schöpfung einher.

Die Liste von alten Bauernregeln und Weisheiten ist lang. Teilweise seit Jahrhunderten überliefert, mögen sie nicht immer ganz korrekt sein. Oft steckt aber ein wahrer Kern in den Sprüchen. Wenn es um die Ernte geht, kommt Benedikt von Mallinckrodt in den Sinn: „Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun’ und Fass.“ Sprich: Ein zu trockener Mai kann sich verheerend auf die Ernte auswirken, es muss rechtzeitig Regen her, damit die Pflanzen gut wachsen. Doch gerade der fehlte in diesem Mai, berichtet der 38-jährige Landwirt: „Der Mai war extrem trocken. Gerade an schwächeren Standorten kann das zu massiven Ertragseinbußen geführt haben.“

Am Gut Böddeken sah das zum Glück anders aus, so von Mallinckrodt. Sein Betrieb liegt im Kreis Paderborn, von Wald umgeben und mitten in der Natur. Es ist Teil einer ehemaligen Klosteranlage, die heute eine Jugendhilfeeinrichtung beheimatet, aber eben auch den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, den von Mallinckrodts Familie nun seit fast 200 Jahren führt. Es ist ein reiner Ackerbau-Betrieb. Raps, Weizen, Gerste sowie Mais pflanzt von Mallinckrodt an – und hatte in diesem Jahr bei allen Sorten eine gute Ernte, wie er erzählt: „Anfang Juni hatten wir starke Regenfälle. Die hätten nach dem trockenen Mai aber auch nicht fünf Tage später kommen dürfen. Da stand es wirklich auf des Messers Schneide.“

Ernte fällt regional ganz unterschiedlich aus


Dass die Erträge selbst kleinräumig ganz unterschiedlich ausfallen können, geht auch aus der Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes hervor. Neben Nachtfrösten im Mai oder massenhaftem Auftreten von Mäusen sorgte eben auch die massive Trockenheit dafür, dass die Betriebe „je nach Region […] erneut deutliche Ernteeinbußen verkraften“ mussten, so heißt es. Etwa 42 Millionen Tonnen Getreide werden in 2020 in Deutschland geerntet – fünf Prozent weniger als der Durchschnitt in den fünf Jahren zuvor. Allerdings ging die Anbaufläche insgesamt auch zurück. Der Durchschnittsertrag pro Hektar liegt in etwa auf dem Niveau der letzten Jahre.  Dennoch zeigt sich der Bauernverband besorgt: 2020 sei vielerorts „das dritte, durch Wetterextreme geprägte Jahr“ gewesen.

Für Benedikt von Mallinckrodt kam der Regen in diesem Jahr zwar noch rechtzeitig, die Ernte bei ihm liegt über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Doch auch er bemerkt, dass dieses nun schon das dritte trockene Jahr in Folge ist: „Der Boden hat sehr wenig Wasser. Das ist spürbar.“ Der beste Dünger, der beste Pflanzenschutz – all das hilft nichts, wenn kein Regen kommt. „Da kann man dann machen, was man will“, sagt der Landwirt in Hinblick auf die eigene Machtlosigkeit. „Wenn es der liebe Gott nicht regnen lassen will, dann will er nicht.“ Auch die gute Ernte in diesem Jahr kann der Familienvater, der den Betrieb vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen hat, nicht allein auf kluges Handeln zurückführen. „Gottvertrauen gehört als Landwirt mit dazu. Wer wie wir in und mit der Natur arbeitet, merkt in solchen Situationen, dass es da noch Kräfte gibt, die größer sind als wir.“

An die nächsten Generationen denken

Der Glaube und die Landwirtschaft sind ohnehin oft eng verbunden. So sind Landwirte in ihrer Heimat oft ehrenamtlich engagiert, eine gelebte Verbundenheit zum eigenen Hof, zum Dorf und zur Heimat. Denn nicht wenige Landwirtschaften bestehen schon 400 oder 500 Jahre, erklärt von Mallinckrodt. Auch er selbst wurde katholisch erzogen und versucht, die christlichen Werte in seinen Beruf einzubringen. Ob gegenüber anderen Landwirten, seinem Mitarbeiter oder in Bezug auf Nachhaltigkeit. „Die Bewahrung der Schöpfung habe ich als Landwirt immer im Hinterkopf“, sagt der Landwirt. „Der Anspruch ist da, weiterzudenken und die nächste Generationen im Blick zu haben. Ich möchte meinen Kindern den Betrieb, das Land und den Boden mindestens in genauso gutem Zustand hinterlassen, wie ich alles von meinen Eltern bekommen habe.“

Benedikt von Mallinckrodt konnte sich nie vorstellen, einen anderen Beruf auszuüben: „Seit ich denken kann, war für mich klar, dass ich den Betrieb weiterführen möchte.“ Besonders die Arbeit mit den Jahreszeiten gefällt ihm. Im Sommer arbeite er zwar länger, dafür habe er als Ackerbau-Landwirt im Winter mehr Freiräume. Und immer nah bei ihm: seine Familie. „Das war schon früher so: Wenn ich von der Schule nach Hause gekommen bin, war mein Vater immer irgendwo in der Nähe auf dem Hof oder Feld. Manche Kinder sehen ihre Eltern vielleicht nur abends – daher weiß ich das Beisammensein der Familie zu schätzen.“

Mittlerweile ist der neue Raps für das kommende Jahr bereits ausgesät, der Mais wird wahrscheinlich Anfang Oktober geerntet. Mit seinem Mitarbeiter bereitet Benedikt von Mallinckrodt deshalb derzeit das Saatbett für das Getreide vor, das im kommenden Jahr geerntet werden soll. Da heißt es dann wieder: hoffen und auch in Gott vertrauen, dass genug Regen fällt.


pdp - Pressedienst Paderborn


Hier finden Sie weitere Beiträge des Themenspecials „Kirche und Landwirtschaft“ des Erzbistums Paderborn

 

 

 





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Veröffentlicht
16:15:00 07.09.2020